Liebe Freunde elektronischer Musik!
Auf diesen Seiten möchten wir einen
kleinen Exkurs durch die Geschichte der elektronischen Musik
wagen. Anfangen werden wir mit der geschichtlichen Entwicklung
elektronischer Musikinstrumente, um danach die Entwicklung
der Musik selbst zu beleuchten. Eins noch Vorweg: Die Darstellungen
und Berichte auf diesen Seiten erheben nicht den Anspruch
der Vollständigkeit. Dies kann bei der Komplexivität
des Themas in dem hier gesteckten Rahmen einfach nicht vollzogen
werden.
"Die Sinfonie der Rundfunkröhre"
Als erstes spielbares elektronisches Musikinstrument
dieser Welt gilt das Theremin. Benannt nach dem gleichnamigen
Erfinder Lev Sergeiewitch Theremin (Foto), einem russischen
Physikprofessor und Radiopionier, welcher im Jahre 1921
diese Instrument erfand. Es wurde und ist auch unter den
Bezeichnungen „Aetherophon“ und "Ätherklavier"
bekannt, wobei letzterer Begriff ein wenig irreführend
ist, da das Instrument ja keine Klaviatur besitzt.
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Das Instrument ist letzendlich
nichts anderes als ein Radioapparat zur Tonerzeugung.
Der Theremin-Apparat sieht wie ein Radioapparat
aus, zusätzlich zu der herausragenden Stabantenne
ist ein kreisförmiger Drahtbügel an der
Seite befestigt. Die Bewegungen der menschlichen
Hand auf das Kraftfeld der um die Antenne liegenden
elektromagnetischen Wellen üben eine steuernde
Wirkung auf die Ströme im Apparat und ihre
Frequenz aus: "Wird der Apparat in Funktion
gesetzt, so entstehen in der Nähe des Stabes
elektromagnetische Wellen von sehr geringer Energie,
jedoch von einer ganz bestimmten Länge und
Frequenz. |
Die Annäherung einer Hand, die ja
Elektrizitätsleiter ist, verändert die Verhältnisse
des elektromagnetischen Feldes rings um die Antenne, verändert
ihre Kapazität und wirkt solcherweise auf die Frequenz
des Wechselstromes, den der Apparat entsendet. Auf diese
Weise entsteht im Raume, der die Antenne umgibt, eine Art
unsichtbarer Griff, und ähnlich wie beim Cello der
Finger, der auf eine Saite drückt, durch Annäherung
an den Steg eine Erhöhung des Tones hervorruft, so
wird auch hier der Ton höher je nach Näherbringen
der Finger an die Antenne" (Leo Theremin, Ätherwellenmusik
und neue Wege der Musik, in: FUNK, Jahr 1927, Heft 44, S.
368.). Annäherung und Entfernung der anderen Hand zur
kreisförmigen Antenne an der Seite regelt die Lautstärke.
Theremin brachte durch diese Art der Beeinflussung des "Radioapparates"
das Rückkopplungsphänomen in geordnete, musikalisch
ausdrucksfähige Bahnen. Die Rückkopplung, die
heute bei einer Rundfunkübertragung kaum mehr auftritt,
ist jedoch bei der manuellen Aussteuerung einer Tonbandaufnahme
wenn der Mikrphoneingangspegel gegenüber dem Ausgangspegel
zu hoch ausgesteuert wird als unangenehmer Pfeifton zu vernehmen:
"Diese Töne, die er absichtlich erzeugt, beherrscht
er völlig, und er gibt sie nicht bloß als Beigabe
einer anderen Musik, er schafft so eine selbständige
Musik" (Kurt Joel, Die Musik aus der Luft. Theremins
Ätherklavier und Jörg Magers Sphärophon,
in: FUNK, Jahr 1928, Heft 14, S. 110.)
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Theremin setzte einen störenden
Mißstand bei der Musikübertragung in
eine eigene Musik um, machte aus einer reproduktiven
Not eine produktive Tugend. Darüber hinaus
war das Instrument auch ohne weiteres als Rundfunkempfänger
zu benutzen: "Eine unbedeutende Umschaltung
macht aus dem Ätherklavier einen gewöhnlichen
Rundfunkempfänger.
Ja man kann sogar gleichzeitig
empfangen und konzertieren, also z.B. das Orchester
des Rundfunks als Begleitung zu eigenem Solomusizieren
verwenden, was besonders zum Üben sehr empfehlenswert
ist. Vorläufig werden aber unsere Leser noch
keine Gelegenheit dazu haben..." (Hans Böhm,
Die Sinfonie der Rundfunkröhre, a.a.O., S.
340.).
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Als eine der größten Virtuosinen
galt neben dem Erfinder selbst die in Rußland geborene
Amerikanerin Clara Rockmore (Foto). Sie zog tausende von
Menschen in ihre Konzerte, in welchen Sie durch ihre mystische
Ausstrahlung, in Verbindung mit dem von Ihr gespielten außergewöhnlichen
Instrument jeden in Ihren Bann zog.
Lydia Kavina, eine Verwandte des Erfinders
ist derzeit die wichtigste Musikerin auf dem Theremin.
Heute findet das Instrument hauptsächlich
neben Einzelaufführungen im Bereich der Film-und Orchestermusik
Verwendung. Aber auch im Breich der aktuellen Musikkultur
kommt es zum Einsatz. Hervorheben möchte ich hier Portishead,
welche das Instrument ein ums andere mal auf ihren Platten
eingesetzt haben, sowie auch so einige Technokünstler,
welche es für Ihre Livedarbietungen entdeckt haben.
Die Renaissance des Theremins hat man wohl
dem Synthesizer Pionier Bob Moog zu verdanken, der über
seine Firma Big Briar das Instrument wieder herstellt und
vertreibt. Es gibt sowohl einen Bausatz für Bastler,
ein Feriggerät und sogar ein Midi-Theremin. Auch hier
in Deutschland sind diese über diverse Musikfachgeschäfte
sowie Versandhäuser problemlos zu bekommen. Für
weitere Informationen rund ums Theremin möchte ich
auf die sehr informative Webseite http://bird.musik.uniosnabrueck.de/virtsem2002/theremin/theremin.htm
verweisen, auf der auch weiterführende Links zu finden
sind.
Sven Bussler |